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Zu nah, zu fern? Die Sache mit der Nähe und Distanz in der Persönlichen Assistenz im Arbeitgebermodell

Dieser Artikel ist für alle, die ihre Assistenz im Arbeitgebermodell organisieren - aber hey, wenn du das Dienstleistungsmodell nutzt und dich für das Thema Nähe und Distanz im Umgang mit der Assistenz interessierst, dann klick noch nicht weg - viele Punkte passen sicher auch zu deiner Situation.


Persönliche Assistenz ist oft ein echtes Teamgefühl: Ihr verbringt viel Zeit miteinander, teilt Alltag, Stressmomente, private Routinen. Gleichzeitig seid ihr im Arbeitgebermodell nicht „einfach nur zusammen“ – du bist Arbeitgeber:in, die Assistenz ist Arbeitnehmer:in. Und genau in diesem Spannungsfeld entstehen viele der typischen Fragen:


  • Wie viel Nähe ist hilfreich – und wann wird sie kompliziert?

  • Wo endet „wir verstehen uns gut“ und wo beginnt Rollenunklarheit?

  • Wie schützt du deine Privatsphäre, ohne kalt oder unnahbar zu wirken?


Dieser Beitrag soll dir dabei helfen, Nähe und Distanz bewusst zu gestalten – damit Zusammenarbeit langfristig stabil bleibt.


Um hier aber nochmal ganz klar zu seien, es gibt sicher keine klare Route und was für andere gut klappt, muss nicht auch für dich gelten. Sinnvoll ist in jedem Falle allerdings ein bewusster Umgang - es geht mehr darum einzelne Verhaltensweisen bewusst wahrzunehmen und sich klar für einen Umgang zu entscheiden, um sich nicht plötzlich in einer unangenehmen Lage wiederzufinden.. ihr merkt schon, es ist komplex. Also dann starten wir mal von vorn:


Warum Nähe in Assistenz fast automatisch entsteht


Persönliche Assistenz findet oft dort statt, wo andere Menschen nie „arbeiten“: in deiner Wohnung, in deinem Bad, in deiner Küche, im Familienleben, bei intimen oder körpernahen Tätigkeiten. Das schafft:

  • Vertrauen (gut!)

  • Verlässlichkeit (gut!)

  • aber auch emotionale Verstrickung und Rollenvermischung (eher kritisch)


Nähe ist also nicht „falsch“ – sie ist in Assistenz häufig unvermeidlich. Entscheidend ist, ob ihr sie bewusst gestaltet oder ob sie einfach passiert.


Das Arbeitgebermodell macht Nähe & Distanz komplexer


Im Arbeitgebermodell hast du besondere Verantwortung: Du planst Dienste, gibst Anweisungen, führst Gespräche, entscheidest über Urlaube und Arbeitsorganisation. Das kann sich im Alltag sehr persönlich anfühlen – und gleichzeitig ist es ein Arbeitsverhältnis.

Typische Spannungsfelder:


1) Privatwohnung vs. Arbeitsplatz

Dein Zuhause ist ein Arbeitsplatz. Das kann dazu führen, dass du dich „nie richtig allein“ fühlst – oder die Assistenz das Gefühl hat, „immer verfügbar“ sein zu sollen.

2) Teamgefühl vs. Weisungsrecht

Ein gutes Miteinander kann kippen, wenn unklar bleibt, ob etwas eine Bitte, ein Wunsch oder eine Arbeitsanweisung ist.

3) Emotionale Nähe vs. professionelle Rolle

Man erzählt sich viel, ist gemeinsam in Krisen, kennt private Themen. Das kann tragen – aber auch überfordern, wenn Unterstützung über das vereinbarte Maß hinaus erwartet wird.

4) Flexibilität vs. Grenzen

Gerade wenn es eng wird (Ausfälle, Schichtwechsel, Notfälle), entsteht schnell eine Kultur von „kurz mal“ und „eigentlich“. Wenn das nicht aktiv gesteuert wird, wird es auf Dauer unfair – für beide Seiten


Woran du merkst, dass Grenzen gerade verschwimmen


Hier ein paar Warnsignale, die viele aus der Praxis kennen:

  • Du traust dich nicht mehr, Dinge anzusprechen, weil ihr „ja eigentlich befreundet seid“.

  • Die Assistenz bringt sich zunehmend in Themen ein, die du gar nicht teilen willst.

  • Du bekommst ein schlechtes Gewissen, wenn du klare Anweisungen gibst.

  • Dienste werden „informell“ verlängert, verschoben, verkürzt oder über WhatsApp geregelt – ohne klare Regeln.

  • Konflikte werden persönlich („Du bist undankbar“) statt sachlich („Das war nicht so vereinbart“).


Wenn du dich in einem Punkt wiedererkennst: kein Drama. Das ist ein Hinweis, dass euch Struktur helfen könnte.


Die gute Nachricht: Nähe und Professionalität schließen sich nicht aus


Du kannst eine warme, respektvolle Zusammenarbeit haben und klare Grenzen. Viele Teams schaffen das, hier ein paar Tipps wie du mehr Struktur in deinen Alltag mit Assistenz bringen kannst:


7 praktische Strategien, die im Arbeitgebermodell wirklich helfen


1) Startet mit einem klaren Rollen-Check-in

Schon früh (oder bei Gelegenheit neu) besprechen:

  • Was bedeutet „Assistenz“ für dich – und was nicht?

  • Was ist euch in der Zusammenarbeit wichtig?

  • Was sind No-Gos? (z. B. private Kommentare, bestimmte Themen, Fotos im Haushalt)


2) Macht Absprachen schriftlich – damit es nicht persönlich werden muss

Ein kurzer Zusatz zum Vertrag oder ein Team-Dokument hilft enorm:

  • Aufgabenrahmen

  • Übergaben/Kommunikation

  • Pausen und Arbeitszeiten

  • Umgang mit spontanen Änderungen

  • Grenzen im Privaten (Besuche, Familienzimmer, Handy/Medien)

Schriftlichkeit ist kein Misstrauen – sie ist Entlastung.


3) Trennt „Arbeitszeit-Kommunikation“ von privatem Kontakt

Ein Klassiker, der sofort Ruhe reinbringt:

  • Dienstliches über einen klaren Kanal (z. B. feste WhatsApp-Gruppe nur für Dienst)

  • Private Themen nur, wenn beide das wirklich wollen – und ohne Erwartung


4) Führt Mini-Feedback-Routinen ein (10 Minuten reichen)

Einmal im Monat oder einmal im Quartal:

  • Was läuft gut?

  • Was stresst?

  • Was brauchen wir anders?

    Das verhindert, dass sich Ärger aufstaut und plötzlich „explodiert“.


5) Nutzt klare Sprache: Bitte vs. Anweisung

Das fühlt sich erst ungewohnt an, ist aber Gold wert:

  • „Ich wünsche mir …“ (Privates)

  • „Bitte mach …“ (Aufgabe)

  • „Ab heute gilt …“ (Arbeitsorganisation)

Je klarer du bist, desto weniger Konflikte entstehen aus Interpretationen.


6) Schützt Privatsphäre aktiv (auch kleine Grenzen wirken)
  • feste Zeiten ohne Assistenz (wenn möglich)

  • klare Räume/Schränke/Regeln

  • „Ich möchte das nicht besprechen“ als legitimer Satz

    Privatsphäre ist kein Luxus, sondern Basis für langfristige Stabilität.


7) Holt euch Unterstützung, wenn es festgefahren ist

Manchmal braucht es Moderation von außen (Beratung, Mediation, Supervisor:in). Das ist kein Scheitern – sondern professionelles Krisenmanagement.

Und: Wenn du Kund:in bei uns bist, musst du das nicht alleine lösen.

Im Rahmen unserer Budgetassistenz unterstützen wir dich gern dabei, schwierige Situationen zu sortieren – z. B. bei der Vorbereitung von Mitarbeitergesprächen, bei klaren Team-Regeln oder beim Aufsetzen hilfreicher Vereinbarungen, damit Nähe und Professionalität wieder gut zusammenpassen.


Ein kurzer Leitgedanke, der oft hilft


Nähe darf entstehen. Aber sie sollte nicht die Regeln ersetzen.

Wenn euer Verhältnis gut ist, ist das wunderbar. Damit es so bleibt, braucht es oftmals klare Strukturen – weil gerade in der Assistenzbranche so viel Persönliches mitschwingt.


Unser Fazit


Nähe und Distanz sind in der Persönlichen Assistenz kein Entweder-oder, sondern eine Balance. Im Arbeitgebermodell lohnt es sich besonders, Rollen und Grenzen bewusst zu gestalten:

  • damit Zusammenarbeit fair bleibt,

  • damit Vertrauen nicht kippt,

  • und damit du dich zu Hause wieder wirklich zu Hause fühlen kannst.



Wie ist deine Erfahrung mit dem Thema?

Hattest du schon Schwierigkeiten mit Nähe und Distanz?

Oder verfolgst du einen ganz anderen Ansatz und magst uns darüber erzählen?

Schreib's gern in die Kommentare!


 
 
 

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